22.11.2007

(Politische) Heimat- das Wendland

--Wer aus dem Rest Niedersachsens ins Wendland will, muss immer durch einen tiefen Wald. Das war bewußtseinsprägend - für die Vorstellung vom Wendland, aber auch für das Selbstbild im Wendland: ein abgelegener Landstrich, zurückgeblieben, hinterm Walde eben.
Die Bewohner dieser Gegend haben sich selbst lange so gesehen. Wendländer zum Bespiel wollte niemand sein. Das Wort gab es nur für die Mitglieder des Heimatkundevereins. Es stand für Ärmlichkeit und Zurückgebliebensein. Erst die Gegner der Atomanlagen in Gorleben machten daraus einen positiven Regionalbezug.
Heute ändern Kommunen wie Lüchow ihren offiziellen Namen und fügen ein „(Wendland)" an. Aus der Beschreibung eines Mangels wurde ein Markenzeichen.

Dieser Wechsel steht exemplarisch für das, was sich in der Region in den vergangenen Jahrzehnten vollzog.
Dass es im Wendland für Naturschützer viel zu sehen gibt, war auch vorher schon bekannt. Dass das Elbetal eine der letzten Flusslandschaften Europas ohne Beton ist, passt in das Bild einer naturnahen Region. Dass es hier mehr Land gibt und weniger Einwohner als anderswo, gehörte bereits zum Vor-Gorleben-Image des Wendlandes.

Weniger bekannt ist, dass das Elbetal zu den 18 deutschen Modellregionen für die Agrarwende gehört. Und Vorreiter bei der Energiewende ist. Sie gehört zu den 100 europäischen Vorzeigeregionen für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Innerhalb von drei Jahren kann der gesamte Stromverbrauch aus eigenen Quellen stammen . Die Planungen sind fertig. Die Anlagen dazu zum Teil bereits im Bau. Dass hier, zwischen Neuer Musik in Schreyahn, und Skulpturen in der Flussniederung, eine „Kulturregion" zu entdecken ist. Und dass hier der Anteil von Biobauern unter den Landwirten größer ist als an jedem anderen Ort in Norddeutschland.
Aus dem konservativen „Wendland" wurde eine „Wende-Region". Wegen Gorleben, mit Gorleben und trotz Gorleben.

 

 

Aktionen in der Region


Uelzener Pilgerwanderung für die Woltersburger Mühle & gegen Arbeitslosigkeit


Steffen Siegert und Dieter Morawietz aus Uelzen pilgerten 850 Kilometer quer durch Deutschland nach München zum 2. Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai. Mit ihrer Pilgerwanderung wollten sie darauf aufmerksam machen, dass zu viele Menschen ohne Arbeit sind und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Gleichzeitig pilgerten sie für die Hoffnung in Gestalt der Woltersburger Mühle, ein Projekt des Dienstleistungszentrums IDA (Integration durch Arbeit). Das Gelände am Rande der Stadt Uelzen wird von arbeitslosen Menschen – in Zusammenarbeit mit dem Handwerk vor Ort – zu einem Qualifizierungszentrum für benachteiligte junge Arbeitslose renoviert.

 

Die Uelzener Pilgerwanderung wurde von der erwerbslosen Journalistin Maren Warnecke betreut. Sie pilgerwanderte den größten Teil der Strecke mit und berichtete ab 5. April in einem täglichen Blog auf www.woltersburgermuehle.de über die Ereignisse und Begegnungen auf dem Weg nach München.

 

 

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