10.12.2008 PRESSEMITTEILUNGEU-Klimapaket: Klimapolitik der EU grenzt an Neokolonialismus – Regierungen wollen den größten Teil ihrer Emissionsminderungen auslagernDie Vorschläge zur CO2-Reduzierung in der EU, die in dieser Woche von den Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel diskutiert werden, haben einen neo-kolonialistischen Beigeschmack, meint Rebecca Harms, stellvertretende Vorsitzende der Grüne/EFA Fraktion im europäischen Parlament. Sie kritisiert die Vorschläge scharf, die es der EU erlauben den größten Teil ihrer Emissionsminderungen durch Investitionen in Projekte in Drittländern zu leisten.
„Der Vorschlag zur Verwendung von CDM-Zertifikaten (1) im europäischen effort sharing (2), der von der französischen Ratspräsidentschaft vorgelegt wurde, stellt die Glaubwürdigkeit Europas in den aktuellen internationalen Klimaverhandlungen in Frage. Würde man diesem Vorschlag folgen, könnten mehr als 70% der europäischen CO2-Reduktionsanstrengungen, die nicht unter den Emissionshandel fallen, ausgelagert werden. Das steht im klaren Widerspruch Empfehlung des UN-Klimapanels (IPCC), die bereits mehrfach von der EU unterstützt wurde, wonach die Industrienationen ihre heimischen Emissionen um 25-40% (im Vergleich zu 1990) bis 2020 reduzieren müssen, um zumindest eine 50%ige Chance zu haben die Klimaerwärmung auf 2 Grad zu begrenzen.
Diese Auslagerung der Leistungen widerspricht aber nicht nur wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern ist auch moralisch fragwürdig und ein negatives Signal für die internationalen Klimaverhandlungen. Wir Europäer suchen uns die günstigsten Klimaprojekte in Entwicklungsländern aus, um unseren verschwenderischen Lebensstil fortsetzen zu können.
Dabei wird ignoriert, dass auch Entwicklungsländer ihre Emissionen reduzieren müssen (laut IPCC um 15-30% bis 2020 im Vergleich zum business as usual). Die Mitgliedsstaaten scheinen nicht zu verstehen, dass Emissionsminderungen nicht doppelt gezählt werden können. Um die Empfehlungen des UN-Klimapanels einhalten zu können, müssten die Entwicklungsländer zusätzlich zu den Reduktionen, die mit unseren Emissionen verrechnet werden, ihre eigenen Reduktionsziele erreichen. Wir erwarten also, dass sie unsere Tatenlosigkeit ausgleichen.
Unsere Reduktionsziele auszulagern bedeutet gleichzeitig auch, dass wir den Umbau unserer Wirtschaft hin zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit verlangsamen.
Die EU Staats- und Regierungschefs sollten es sich gut überlegen bevor sie diese unsinnigen Vorschläge verabschieden."
(2) Der Vorschlag zum effort sharing deckt alle Sektoren ab, die nicht vom Emissionshandel erfasst werden – 55% der Gesamtemissionen der EU kommen aus diesen Bereichen (Transport, Landwirtschaft, Gebäude, etc.).
Kommentieren
| THEMENanfrage atom atomenergie atomkraft atommüll atompolitik castor co2 demokratie emissionen endlager energie energiepolitik eurokrise finanzkrise gorleben green new deal griechenland japan klima klimapaket klimaschutz menschenrechte newsletter oettinger pkw russland tschernobyl ukraine umwelt verbraucherschutz weltklimakonferenz Mehr zum Lesen Expertenanhörung zum Fiskalpakt: Livestream am... Die EU-Agrarreform nach 2013: Rebecca... Europaparlament lehnt irreführende Werbung... Schlussfolgerungen des informellen Europäischen Rates... EU-Abgeordnete lehnen irreführende gesundheitsbezogene Angaben... Grüne sehen den Europäischen Rat... Briefe an den ukrainischen Innenminister... Interview: Die Frage der Atomsicherheit... Japan-Reisebericht... Newsletter... Videos
Schlussfolgerungen des informellen Europäischen Rates vom 30.01.12Rebecca Harms spricht über die Schlussfolgerungen des informellen Europäischen Rates. Sie... zeigen!
Interview: Die Frage der Atomsicherheit EuroparlTV befragte nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der AKW-Stresstests Rebecca Harms... zeigen!
Livemitschnitt der Eröffnungsveranstaltung der "Conference for a Nuclear Power Free World" in YokohamaRebecca Harms sprach bei der Eröffnungsveranstaltung der "Conference for a Nuclear... zeigen!
Press Briefing vom 17.01.2011Press Briefing mit den Fraktionsvorsitzenden der Fraktion der Grünen/EFA Rebecca Harms... zeigen!
Rede zum Beginn der dänischen EU-Ratspräsidentschaft und Antwort auf Krisztina Morvais FrageRebecca Harms spricht im Plenum zum Beginn der dänischen Ratspräsidentschaft. Zudem... zeigen!
Rede zur Wahl des neuen Präsidenten des EPRebecca Harms gratuliert in ihrer Rede Martin Schulz zur Wahl zum... zeigen! |