26.8.2009

PRESSEMITTEILUNG

Erklärung zur aktuellen Entwicklung bei der Lagerung und beim Umgang mit Atommüll in Deutschland



Atommüll / Endlagersuche
 
- Das deutsche Endlagerkonzept ist gescheitert. Wir fordern die Bundesregierung und die Landesregierungen auf, unverzüglich eine echte, neue, ergebnisoffene Suche nach einem geeigneten Ort und einem geeigneten Konzept für die Lagerung von heißem hochradioaktivem Atommüll einzuleiten. Der Bundestag muss jetzt eine gesetzliche Grundlage für ein öffentlich-rechtliches transparentes Verfahren mit umfassender Bürgerbeteiligung und für eine verursachergerechte Umlage der Kosten schaffen, die die Atomindustrie voll in die Pflicht nimmt.

 
- Der Standort Gorleben ist ungeeignet und muss aufgegeben werden. Er wurde 1976/77 innerhalb weniger Monate aus politischen Gründen und gegen den Rat von Fachleuten und damals vorliegenden Gutachten ausgewählt.  Die Geologie weist schwere Mängel auf. Wichtige geologische Gutachten wurden später offenbar manipuliert, um eine Eignung vorzutäuschen. Die für Bau und Erkundung notwendigen Grundstücke stehen entweder gar nicht oder nicht dauerhaft zur Verfügung. Der Prototyp von Gorleben, die Asse, steht entgegen aller Langzeitprognosen schon nach einer Generation vor dem Absaufen.

 
- Wir fordern, die Frage der Rückholbarkeit vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Asse einer neuen fundierten wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen. Dabei sind alle denkbaren Optionen einer dauerhaften Lagerung von heißem hochradioaktivem Müll zu untersuchen.

 
- Wir halten ein neues internationales Endlagersymposium für erforderlich, um Fehleinschätzungen auszuwerten, internationale Erfahrungen zu bewerten und alle Optionen zur Lagerung von hochradioaktivem Müll öffentlich zu diskutieren.


Rebecca Harms MdEP, Fraktionsvorsitzende,

Brigitte Pothmer MdB, niedersächsische Bundestagsspitzenkandidatin,

Dorothea Steiner und Stefanie Henneke, Landesvorsitzende,

Stefan Wenzel MdL, Fraktionsvorsitzender

 

 

Kommentieren

 
Geologisches Endlager nicht möglich!
Hallo Rebecca,
wenn Ihr die gleichen Formulierungen benutzt wie Wulf und Schawan ("ergebnisoffene Untersuchung"), wird der Eindruck erzeugt, dass auch wir Grünen ein geologisches
Endlager für möglich halten. Zur Klarstellung: Jede Form einer geologischen "End-"lagerung (Salz, Ton, Granit, was auch immer) kann den Kontakt mit Grundwasser
und damit mit der Biosphäre nur kurzfristig (bei mächtigem Ton Größenordnung tausend Jahre, bei "gutem" Salz hundert Jahre, bei jeder anderen Alternative 0 Jahre) verhindern. Es sollte daher vor der Presse der Begriff "EndlagerKONZEPT" stärker herausgestellt werden.
Alternativen z.B.: Lagern auf der Rückseite des Mondes; kerntechnisches Umschneidern zu stabilen Isotopen (diese Fragestellung hat noch nie jemand aufgeworfen; wäre was für die KFA Jülich).
In jedem Fall würde die Entsorgung ein Vielfaches der einstmals erzielten Nutzenergie kosten: Grund genug, mit dem gemeingefährlichen Blödsinn sofort aufzuhören. Wenn die beiden genannten Alternativen nicht gehen, kann das "End-"lager nur ein quasi-ewiges Zwischenlager unter menschlicher Aufsicht sein.
Dies ist übrigens ein Argument, das in der Öffentlichkeit nie auftaucht: Die Ewigkeitskosten von Kohle und Kernkraft! (Aktuelle Diskussion im NDR über die Kosten der Einspeisevergütung für die Verbraucher.)

von: Christoph Schroer, Dipl.-Geologe; im Vorstand des OV Isernhagen  

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