9.1.2012 Japan-Reisebericht (1)
Auf Einladung der japanischen Nichtregierungsorganisationen Green Action, e-shift und Peaceboat ist Rebecca Harms vom 08.-15. Januar in Japan unterwegs. Begleitet wird sie von Gueorgui Kastchiev, dem ehemaligen Leiter der bulgarischen Atomaufsicht. Thema der Reise ist die Kritik an Europas AKW-Stresstests und die Lehren, die daraus auch für die aktuelle japanische Debatte gezogen werden können. In ihrem Blog berichtet Rebecca aktuell von ihren Erlebnissen auf der Reise nach Tokyo, Osaka, die Insel Shikoku und in die Präfektur Fukushima.
Am Tag 1 der Reise stand eine Öffentliche Vortragsveranstaltung mit Rebecca Harms, Gueorgui Kastchiev und Dr. Ino (er ist der japanische Experte, der das japanische Paper zu den Stresstests verfasst und er arbeitet mit Mitsuhiko Tanaka zum Thema Atomkraft zusammen) in Osaka auf dem Programm. Die Veranstaltung fand in Osaka statt, weil der Block 3 des Atomkraftwerks Oi der erste Atomreaktor ist, der wieder angefahren werden soll. (Programm der Japanreise)
Japan. Dank des Weihnachtsprogramms im deutschen Fernsehen war ich schon daran erinnert, wie es sich anfühlt: lost in translation. Ein Jetlag der besonderen Art, gepaart mit dieser neugierigen Spannung in einem Land, in dem du dauernd vor Rätselhaftem stehst. Heute hatten wir auch schon die erste Veranstaltung. Sie wurde organisiert von den japanischen NGOs Green Action and Mihama-no-Kai.
Trotz nationalem Feiertag - coming of age der jungen Japaner - war der Saal im Rathaus von Osaka überfüllt. Das nahe Atomkraftwerk Oi ist zur Zeit vom Netz. In ganz Japan produzieren nur noch sechs von insgesamt 54 Reaktoren Strom. Alle anderen sind zum Sicherheitscheck abgeschaltet. Grundlage für die Prüfung ist Oettingers Stresstest. Oi ist das erste japanische AKW, das wieder angefahren werden soll. Wenn der Test positiv ausgeht.
Gueorgui Kastchiev und ich haben heute in unseren Vorträgen versucht, die europäische Debatte seit Fukushima zu erläutern. In Europa hat Fukushima bisher mehr politische Folgen gehabt als in Japan. Es wäre verrückt, wenn in Japan alles beim Alten bliebe nach Fukushima. Es wäre Irrsinn, wenn wir nicht die Ideen und Erfahrungen mit der Energiewende exportierten, sondern stattdessen die Scharade Stresstest, die für Wissenschaftler eigentlich inakzeptabel ist. Besonders absurd ist, dass die Untersuchung zu Ursache und Ablauf in Fukushima nicht einmal abgeschlossen ist, aber die Sicherheitsüberprüfung läuft, mit der eine Wiederholung angeblich ausgeschlossen werden soll.
Die große Neugier des japanischen Publikums heute in Osaka hatte drei Schwerpunkte. Einerseits wurde unsere Studie zu den Stresstests diskutiert, die heute auch in japanischer Übersetzung verteilt wurde (Studie: The European 'Stress Test' for Nuclear Power Plants in japanischer Sprache). Zweitens wollten viele Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer wissen, warum die Politik und die Bürgerinnen und Bürger in Europa so auf Fukushima reagiert haben.
Am Ende wurde in kleinem Kreis bei viel japanischem Essen und Sake darüber diskutiert, ob es allein die Anti-Atom-Bewegung schaffen kann, oder ob man nicht eine Stimme im Parlament braucht, die ein solches Anliegen wie die Energiewende überzeugend vertritt. Im nächsten Jahr wird hier gewählt. Das größte Hindernis für eine Grüne Partei sind wohl die vielen Japanerinnen und Japaner, die wissen, dass sich etwas ändern muss, die aber immer betonen, dass alles, was woanders funktioniert, hier ganz sicher scheitert.
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