27.1.2010 Newsletter 01/10
Das Parlament will mit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon eine neue starke Ära für die EU beginnen. Die Mitgliedstaaten wollen das offenkundig nicht. Kommissionspräsident Barroso stellt sich der Entsendungspraxis nicht entgegen, sondern verschärft die Schwäche des neuen Kollegiums der Kommissare. Er wählt eine Aufstellung, die die Fähigkeiten und Qualitäten selbst gestandener Kommissare missachtet. Und er gebietet "seinen" Leuten auch noch, bloß kein erkennbares Profil zu zeigen. Langeweile war so die Hauptstimmung in den Anhörungen. Da traten designierte Kommissare auf, die eher den Charme von hohen Beamten hatten.
Verschärft wird die schlechte Laune der Abgeordneten des Europäischen Parlaments auch durch den Bruch der Regeln des Lissabonvertrages beim Swiftabkommen. Ich gehe nach der erneuten Provokation durch den Rat und nach den Reden der Fraktionsvorsitzenden im Plenum davon aus, dass es keine Mehrheit für das Swiftabkommen gibt. Es muss jetzt bis zur nächsten Plenarsitzung aber der öffentliche Druck für Bürgerrechte und Datenschutz aufrecht
Die Diskussionen um Laufzeiten der Atomkraftwerke, um Geld für Erneuerbare Energien einzunehmen, ist Augenwischerei der durchsichtigsten Art: Statt verlässliche Rahmenbedingungen für die Energiewende zu schaffen, wird so versucht, den Deutschen die Atomkraft schmackhaft zu machen. Laufzeitverlängerungen sind ein Spiel mit dem Feuer, Interesse daran haben nur die Atomkonzerne.
Atomare Chaostage: „Die Sicherheit der Bürger wird verkauft“ (Pressemitteilung vom 25.01.10)
2. Grüne fordern schärfere EU-Kontrollen für Bio-Textilien aus Drittländern Der Skandal um den Etikettenschwindel mit angeblicher Bio-Baumwolle, die sich als gentechnisch veränderte Ware herausgestellt hatte, zeigt schwere Versäumnisse von Bioverbänden und Textilienvermarktern in der Europäischen Union auf. Das indische Landwirtschaftsministerium hat den Fall bereits vor einiger Zeit aufgedeckt, doch obwohl diese Agrarbehörde gegen die europäischen Zertifizierer vorgegangen war, ist dieser Fall in der EU nicht zur Kenntnis genommen worden. Der Skandal führt auch zu einer verständlichen Vertrauenskrise bei den Verbrauchern, die nicht mehr wissen, wie weit sie sich auf Bio-Etiketten überhaupt verlassen können.
Grüne fordern schärfere EU-Kontrollen für Bio-Textilien aus Drittländern (Pressemitteilung vom 23.01.10)
3. Grüne warnen Rat vor Vertragsbruch Der EU-Rat darf das SWIFT-Abkommen nicht in Kraft setzen, ohne die Zustimmung des Europäischen Parlaments einzuholen. Das Verfahren dazu muss sofort in Gang gesetzt werden. Die Grünen werden die Anrufung des Europäischen Gerichtshofes beantragen, um gegen mögliche Vertragsbrüche vorzugehen.
Grüne warnen Rat vor Vertragsbruch (Pressemitteilung vom 20.01.10) Meine Rede zu SWIFT vom 20. 01.10 findet sich auf meiner Website in der Rubrik „Videos“
4. Rückzug Jelevas ist die richtige Entscheidung Barroso und die bulgarische Regierung müssen ihren Teil der Verantwortung für die Schwäche von Jelevas Kandidatur akzeptieren. Abgesehen von der Intransparenz in Bezug auf ihre finanziellen Interessen war Jeleva offensichtlich nicht fit für einen hohen Posten in der humanitären Hilfe und im Krisenmanagement. Barroso muss jetzt schnell und entschieden handeln, um eine hausgemachte Krise zu vermeiden. Jeleva Rückzug ist eine Chance für den Kommissionspräsidenten, sich auch über andere Fehlgriffe Gedanken zu machen, inklusive der Dossierverteilung unter den KandidatInnen.
Rückzug Schelewas ist die richtige Entscheidung (Pressemitteilung vom 19.01.10) Mehr zu den Anhörungen der designierten EU-Kommissarinnen und –Kommissare in meinem Themenspecial Zukünftige EU-Kommission auf dem Prüfstand
5. EU muss Glaubwürdigkeit in der internationalen Klimapolitik zurückzugewinnen Die EU-Umwelt- und Energieminister treffen sich dieses Wochenende in Sevilla. Das Ergebnis des Klimagipfels in Kopenhagen und die nächsten Schritte für die internationale Klimapolitik stehen ganz oben auf dem Programm der Minister. Vor diesem Treffen fordert die Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA im Europaparlament, Rebecca Harms, die Minister dazu auf, die EU wieder an die Spitze der Klimabewegung zu setzen.
EU muss Glaubwürdigkeit in der internationalen Klimapolitik zurückzugewinnen (Pressemitteilung vom 14.01.10)
6. Molkereien und Supermärkte verdienen auf dem Rücken der Milchbauern In seinem Milchbericht stärkt das Bundeskartellamt die Milcherzeugergemeinschaften und erteilt damit den Forderungen der Milchbauern nach einem fairen Mindestmilchpreis eine Absage. Wir Europäischen Grünen setzen uns für eine stärkere Verhandlungsposition der Milchbauern gegenüber Molkereien und Handel ein.
Molkereien und Supermärkte verdienen auf dem Rücken der Milchbauern (Pressemitteilung vom 12.01.10)
7. Sacharow-Preisträgerin Ludmila Alexeyeva unter Arrest Die 82-jährige Ludmila Alexeyeva – Gewinnerin des Sacharow-Preis 2009 und Vorsitzende der Moskau-Helsinki-Gruppe – war unter den 50 Demonstranten und Zuschauern, die wegen ihrer Teilnahme an einem friedlichen Protest in Moskau in der Silvesternacht für mehrere Stunden verhaftet und inhaftiert wurden. Obwohl sie wieder frei gelassen wurden, müssen die Demonstranten jetzt womöglich mit einem Verfahren rechnen.
Greens condemn arrest of Sakharov Prize winner Alexeyeva (Pressemitteilung vom 05.01.10, in englischer Sprache)
28. / 29. Januar: Reise einer Delegation der Grünen Gruppe im Europäischen Parlament nach Madrid 03. Februar: Workshop "Implementing the Green New Deal for Europe", Brüssel 03. Februar: Anhörung der designierten EU-Kommissarin für Internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenreaktion, Kristalina Georgieva 04. Februar: Conference "Beyond Copenhagen: Where to for international climate policy?", Brüssel 06. / 07. Februar: Wahlbeobachtung des 2. Präsidentenwahlgangs in der Ukraine In der Woche vom 08.-11. Februar: Bestätigung der neuen EU-Kommission durch das Europäische Parlament
Mehr Informationen zu den Terminen unter http://rebecca-harms.de/index.php/presse/termine
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